KISS bietet sportlichen Ferienspaß in Nagold

Die Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums war erneut Heimat der gemeinsamen Sportwoche von Kindersportschule und Youz. Dort können sich Grundschüler sportlich betätigen und sind den ganzen Tag über betreut.

In der Sporthalle des Otto-Hahn-Gymnasiums in Nagold herrscht bereits reger Betrieb. Obwohl die Sommerferien noch eine volle Woche andauern, sind an diesem Tag hier rund 40 Grundschüler aktiv. Im Zentrum der Halle spielen ein paar Kinder Hockey, in der einen Ecke wird Basketball, in der anderen Tischtennis gespielt, und in der ganzen Halle verteilt, rollern Jungs und Mädchen mit Rollbrettern herum.

Der Anlass dafür ist die vierte Sportwoche, die seit 2019 – immer in der letzten Woche der Sommerferien – von der Kindersportschule des VfL Nagold (KISS) in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus Youz veranstaltet wird. Eine Woche lang – Montag bis Freitag – findet diese von 8 bis 15 Uhr statt.

Die Idee stammt von Youz-Geschäftsführer Gerd Hufschmidt, der sich damit an den Sportwissenschaftler und Fitness-Coach Fabian Vogt gewendet hatte. Vogt von der KISS organisiert und betreut die Sportwoche und wird in seiner Arbeit von zwei weiteren Sportwissenschaftlern und zwei Studentinnen unterstützt. Weitere Hilfe kommt von der Besatzung des Youz. Das Jugendhaus dient auch als Basis für die Sportwoche. Dort werden die Kinder morgens von ihren Eltern abgeliefert und dort werden die Pausen verbracht. "In der Sportwoche ist alles inklusive", erklärt Vogt. "Frühstück, Mittagessen, Getränke und Betreuung."

KISS und Youz haben es sich nicht zum Ziel gesetzt, im Rahmen dieser Woche Sport zu unterrichten, wie Vogt anmerkt. "Wir wollen die Kinder nicht explizit lehren sondern vielmehr dazu ermutigen, implizit selbst zu lernen." Aus diesem Grund ist die Sportwoche sehr spielerisch angelegt. Genau dieser Rahmen ist auch, was die Kinder hertreibt. "Wir haben eine extrem große Nachfrage", meint Vogt. "Die Kinder kommen sehr gerne. Wir haben fast zu wenig Plätze." Besonders stolz ist das Team darauf, dass die Kindergruppe sehr ausgeglichen ist. Mädchen und Jungen halten sich beinahe die Waage.

Die Sportwoche kommt als Betreuungsangebot natürlich auch den Eltern entgegen. Letztlich steht das allerdings nicht im Zentrum der Idee, sagt Vogt: "In erster Linie wollen wir damit ein Angebot für die Kinder dieser Stadt leisten." Wenn ein Kind nach der vormittäglichen sportlichen Betätigung sich aus dem aktiven Sport rausnehmen will, weil es etwa erschöpft ist, dann kann es sich jederzeit ins Youz und die dortige "Spielkiste" zurückziehen. Dort können die Kinder klassisch basteln, puzzeln, malen oder Spiele spielen.

Während es innerhalb der Veranstaltung Regeln gibt, ist ein weiteres Ziel der Veranstalter die Vermittlung sozialer Kompetenzen. "Wir versuchen uns etwas herauszuhalten, und zu sehen, ob die Kinder Probleme unter sich selbst regeln können", erörtert Fabian Vogt. "Das funktioniert sehr gut. Wir schreiten nur ein, wenn die Kinder keine eigene Lösung finden." Auch dieser Ansatz werde von den Kindern sehr gut angenommen

Die Sportwoche ist so erfolgreich und beliebt, dass einige der Kinder Wiederholungstäter sind. Viele kennt Vogt bereits von den Kursen der Kindersportschule. Umso erfreulicher ist, dass die Sportwoche in diesem Jahr, nachdem die vergangenen zwei Jahre nur eingeschränkte Aktivitäten möglich waren, wieder ohne Hindernisse stattfinden kann.

 

(Marius Lang, Schwarzwälder Bote 7.9.2022, Foto: Fritsch)


VfL Nagold betreibt den Strohäker-Dirtpark

Nagolds Dirtpark ist eröffnet: Die Stadt Nagold, der VfL Nagold und die Firma Strohäker machen’s möglich. Das Angebot auf dem Eisberg kommt gleich gut an.

Die ersten jugendlichen Tester sind sich einig: Der neue "Strohäker Dirtpark" auf dem Nagolder Eisberg ist "ein Super-Parcour". Nur die Schotterfahrbahn sei noch "etwas locker", die "müssen wir noch festfahren". Was dann auch nach der feierlichen Eröffnung reichlich passierte.

Eigentlich sind es sogar gleich zwei Parcours, die sich südlich der Eisberghalle und des Baseballplatzes leicht abschüssig, direkt neben dem Eingang des Bikemaster-Trails in die Landschaft stürzen. Jeweils "knapp 200 Meter" lang, schätzt Nagolds Bauamtsleiter Rafael Beier – die eine etwas kürzer als die andere, insgesamt inklusive sechs Schanzen für möglichst weite Sprünge "und der Steilkurve".

Der Aufstieg hat’s in sich

Allein – wieder aus dem Parcours rauszukommen, ist gar nicht so einfach, wie sich zeigen sollte: Der Wiederaufstieg in Richtung Eisberghalle hat’s wirklich in sich – die meisten jungen Biker mussten hier ihr Sportgerät erstmal schieben. Der allgemeinen Freude der jungen Sportler tat das aber keinen Abbruch.

"Ein glücklicher Tag für den Radsport", fand denn auch Oberbürgermeister Jürgen Großmann ist seiner offiziellen Festrede. Vor der feierlichen Eröffnung hatten Kulturamtsleiter Philipp Baudouin und sein Team beim Wegräumen der letzten Sperren vom Parcours noch gemunkelt, dass "der Chef" – also der OB – "’nen Fahrradhelm mitbringen" wolle zur Einweihung des neuen, anspruchsvollen Radler-Rundkurses. Aber der Schultes hatte sich eher für "was Festliches" entschieden – keine Sportkluft. Die überließ er lieber seinem Stellvertreter Hagen Breitling, der tatsächlich und angemessen in Radlerhose und National-Trikot zum Festakt am neuen Dirtpark kam.

 

Idee kommt aus dem Jugendgemeinderat

Die eigentlichen Ehrengäste der Veranstaltung aber: Die Mitglieder des Nagolder Jugendgemeinderats mit Alexander Vazarcev an der Spitze. Aus ihren Reihen kam die ursprüngliche Idee zum Nagolder Dirtpark, auch noch eine Pumptrack steht auf ihrer Wunschliste ganz oben. Bei Stadtverwaltung und Gemeinderat liefen die Jugendlichen mit diesen Visionen offene Türen ein. Und mit dem weiten Sportareal auf dem Eisberg hatte man auch sofort das richtige Gelände gefunden. Und brauchte auch nur "wenige Minuten", wie der OB aus dem Nähkästchen plauderte, um mit der Firma und Familie Strohäker aus Jettingen einen kompetenten (Namens-)Sponsor für die jetzt entsprechend "Strohäker Dirtpark" heißende Rennstrecke zu finden.

"Eine große Zahl", so der OB weiter, hätte der Sponsor bei der Finanzierung der Anlage geschultert. Die Michael Strohäker selbst aber lieber erst einmal "später, nach meinem Urlaub" austesten wolle – nicht, "dass es vorher noch eine Verletzung" gebe. Aber die 14-jährige Tochter habe die gemeinsame Ausfahrt auf dem Parcours, der nun den Namen der Familie trägt, bereits fest angemeldet. "Da komme ich nicht raus!", lacht Strohäker.

Wobei die künftige Betreuung des Areals der VfL Nagold übernehmen werde, wie der OB weiter erklärte – der sich als Verein damit eben vor allem auch für den sportlich Nachwuchs attraktiver machen möchte. Zudem betreut der VfL Nagold auch bereits den Bike-Trail, der in direkter Nachbarschaft startet.

 

Zweiter "urbaner" Dirtpark ist vorgesehen

Gleich noch einen zweiten, "urbanen Dirtpark" kündigte denn auch OB Großmann für die Zukunft an – "unten in der Stadt", nahe des Viadukts. Auch das "wollen wir wuppen". Und auch dafür habe man bereits seitens der Stadt einen geeigneten Sponsor gefunden. Dieser weitere Dirtpark solle dann noch mehr sportliche Herausforderungen bieten – auch andere. Aber auch die Eisberghalle stehe nicht nur auf der Agenda, sondern werde "zeitnah" an die neuen Ansprüche der Sporttreibenden in der Stadt angepasst. So gesehen, sei der "Strohäker Dirtpark" nur der erste "Aufschlag für eine ganze Serie von Investitionen" in die Nagolder Sportanlagen.

 

Wobei es am neuen "Strohäker Dirtpark" auch noch eine ganz andere, pfiffige Idee – bei Bedarf – zu entdecken gibt: Direkt nach der – wie erwähnt recht anspruchsvoll ausgefallenen – Ausfahrt aus dem Dirtpark-Parcours stehen ebenfalls zwei nigelnagelneue "Reparatur-Säulen" mit Werkzeugen und Luftpumpe für zu arg in Anspruch genommene Bikes. Entwickelt wurden die von der Firma Veyhl aus dem nahen Zwerenberg – wo man nicht lange gezögert habe, die Anschaffung der Stadt Nagold vorzuschlagen, nachdem man dort von der Idee des Dirtparks gehört hatte. "Damit haben die bei uns sofort offene Türen eingelaufen", erklärt Rafael Beier dazu. Der zudem ankündigte, das weitere solche "öffentlichen Reparatur-Stationen" für Fahrräder auch noch unten in der Stadt eben am dort geplanten zweiten Dirtpark, aber auch in der Nähe des Longwyplatzes – "bei der Kämmerei" – und beim Badepark-Parkplatz aufgestellt werden sollen. "Damit wird Nagold dann wirklich endgültig zur fahrradfreundlichen Stadt!"

 

(Axel H. Kunert (auch Fotos) / Schwarzwälder Bote 19.8.2022)


Ein Traum in blau: VfL feiert Kindersportfest

Manchmal gehen alle Pläne auf: Der VfL Nagold hatte zum Kindersportfest in den Stadtpark Kleb eingeladen. Der Anlass: das 175-jährige Bestehen des Vereins. Die Familien kamen in Scharen. Fazit: Dieses Fest schreit geradezu nach einer Wiederholung.

 

Von Heiko Hofmann

 

Irgendwie war an diesem Tag alles blau: Der Himmel – strahlend blau. Aber auch bei den vielen Kindern, die sich auf der Wiese des Klebs vergnügten, waren blaue T-Shirts klar dominant. Mit weißer Aufschrift: VfL Nagold.

450 solcher Shirts hatte der VfL Nagold für seine kleinen Jubiläumsgäste herstellen lassen und verschenkt. Und sie fanden großen Anklang. Neben dem vielen Grün im Kleb dominierten die Vereinsfarben des größten Nagolder Vereins: blau und weiß.

Es gibt Veranstaltungen, da passt alles. Das Kindersportfest des VfL Nagold gehört sicher dazu. Dabei ist der VfL nicht bekannt für solche Veranstaltungen. Als Mehrspartenverein, sind es im Regelfall die einzelnen Abteilungen, die mit Veranstaltungen und Wettkämpfen in der Öffentlichkeit präsent sind. Zum 175-jährigen Bestehen allerdings dufte es dann ruhig mal etwas Neues sein, ein gemeinsames Kindersportfest im Kleb. Offen für alle, also natürlich nicht nur für VfL-Mitglieder.

»Die Rückmeldungen sind von allen gut«

Beim dritten Vorsitzenden des Vereins, Gerd Hufschmidt liefen die organisatorischen Fäden zusammen. Ziemlich entspannt sah man ihn am Sonntag immer wieder über die Klebwiese schlendern. So ist das eben, wenn alles läuft. Acht Abteilungen und die Kindersportschule Kiss hatte er mit im Boot. »Die Rückmeldungen sind von allen gut«, freut er sich. Und lobt die Abteilungen für den großen Aufwand, den sie für ihre Sportstationen treiben. Dabei gab es für den VfL gleich mehrere Anliegen, die der Vorstand mit diesem Angebot verwirklichen wollte. An erster Stelle wollte der Verein natürlich zu seinem runden Geburtstag auch den Kindern etwas bieten. Sie sind schließlich ein ganz großer Bestandteil der Vereinstätigkeit in nahezu allen Abteilungen. Aber auch, die Art und Weise, wie sich der VfL Nagold mit solch einem Fest in der Öffentlichkeit präsentiert, ist so ganz nach dem Geschmack des dritten Vorsitzenden. Und schließlich sei es auch schön zu sehen, wie Vertreter der unterschiedlichen Abteilungen hier etwas gemeinsam auf die Beine stellen.

Große Fußballdartscheibe

Da galt es ein paar Bälle gegen den Tischtennisroboter zu spielen, oder bei den Karateka ein paar kräftige Schläge gegen die geschützten Trainer auszuteilen. Die Kiss und die Turner hatten einen Parcours aufgebaut, bei dem die Kinder ihre Geschicklichkeit aber auch ihre Körperbeherrschung unter Beweis stellen konnten. Beliebt waren natürlich die Angebote mit den Bällen: Bei den Basketballern galt es das Spielgerät in den Körben zu versenken. Die Fußballer hatten eine mega-große-Fußballdartscheibe aufgestellt, zudem konnte die Härte des Schusses gemessen werden. Ganz ähnlich daneben das Angebot der Handballer: Die Wurfgeschwindigkeit wurde hier gemessen. Zudem ging es um die Treffsicherheit an einer Torwand. Das komplette Rundumpaket im Kleinen boten die Leichtathleten: Mit Rennen, Springen, Werfen. Auch hier konnte die Zeit gemessen werden. Und die Badmintonabteilung lud dazu ein, ein paar entspannte Schläge über das Netz zu probieren – auch wegen des Windes gar nicht so leicht.

»Das zu sehen, da geht mir das Herz auf«

Gerd Hufschmidt kam jedenfalls gar nicht aus dem Schwärmen heraus. Ihn freute nicht nur, wie gut das Kindersportfest von den kleinen Nagoldern angenommen wurde, sondern auch der Blick auf die Abteilungen. »Alle sind voll dabei. Und haben richtig Spaß«, so sein Eindruck. Was ihn dabei besonders begeistert: die vielen jugendlichen Helfer an den einzelnen Stationen. »Das zu sehen, da geht mir das Herz auf.«

Das Konzept stimmt

Sein Fazit ist denn auch klar: Das Gesamtkonzept stimmt! In der Nachbetrachtung will der VfL Nagold alle seine Jubiläumsveranstaltungen nochmals Revue passieren lassen. Und beim Kindersportfest stellt sich spätestens dann definitiv die Frage nach einer Wiederholung, am besten sogar einer festen Etablierung im Terminkalender. »Vielleicht jährlich, vielleicht alle zwei Jahre. Wir müssen da drüber reden«, sagt Hufschmidt. Für ihn ist klar: Nagold brauche solch ein Fest, gerade auch, weil »Groß hilft Klein« sein beliebtes Kinderfest nicht mehr auf die Beine stellt.

 

(Schwarzwälder Bote, 12. Juli 2022)

Und hier noch ein paar Bilder zum Kindersportfest...

Fotos: Thomas Fritsch und Heiko Hofmann


VfL Nagold feiert seine ehrenamtlichen Schaffer

Ungewöhnliche Jubiläen verlangen mitunter auch ungewöhnliche Feste. Der VfL Nagold feiert bekanntlich in diesem Jahr mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen sein 175-jähriges Bestehen. Ein wichtiger Bestandteil von Anfang an in den Festplanungen: das Ehrenamtsfest für alle Schaffer des Vereins.

Ein lockeres geselliges Beisammensein, als Dankeschön, aber auch zur Kontaktpflege innerhalb der 15 Abteilungen des Vereins – das wollte der Gesamt-Vorstand den vielen ehrenamtlichen Helfern im Verein bieten. Und dazu wählte er ein sicher nicht ganz alltägliches Format. So hatte das Pächterpaar der VfL-Gaststätte „El Campo“ Romina und Milton ein argentinisches „Asado“ vorbereitet – eine spezielle Form des Grillens über dem offenen Feuer.

Zahlreiche Schaffer aus den VfL-Reihen, wussten das Angebot durchaus zu schätzen. Und zeigten sich nicht zuletzt überrascht von der Fest-Tauglichkeit des Reinhold-Fleckenstein-Stadions.

VfL-Vorsitzender Holger Ehnes hielt denn auch seine Ansprache bewusst kurz. Er betonte, dass es dem Verein wichtig sei, seine Ehrenamtlichen einmal richtig anzuerkennen. „Das passiert im Alltag viel zu selten!“

Ehnes warb für das Engagement im Verein.  Es gebe im Ehrenamt so viele verschiedene Aufgaben, dass sicher für jeden etwas dabei sei. Ehnes weiter: „Insofern bin ich überzeugt, dass Ehrenamt nicht Schnee von gestern ist sondern absolut aktuell. Für jeden ist was dabei, nur wissen es manche noch nicht.“

Deswegen bat der VfL-Chef „alle unsere ehrenamtlich Engagierten, uns noch lange treu zu bleiben, und Werbung für das Ehrenamt im VfL zu machen“.


Hauptversammlung: Der alte Verein ist quicklebendig

Die Hauptversammlung des VfL Nagold stand ganz im Zeichen des 175-jährigen Jubiläums, das in den kommenden Wochen und Monaten noch gebührend gefeiert wird. Zudem konnten im Kubus etliche VfL-Mitglieder für ihre jahrzehntelange Vereinstreue ausgezeichnet werden.
Von Uwe Priestersbach

 »Wir sind gut aufgestellt und erfolgreich«, stellte Holger Ehnes fest, der im vergangenen Jahr das Amt des ersten Vorsitzenden übernommen hatte. »Das war schon eine ganz schöne Umstellung«, erklärte er zudem mit Blick auf das neue Vorstandsteam – und fügte hinzu: »Als Vorsitzender merkt man erst, was alles hinter einem Verein mit 1600 Mitgliedern steckt«. Doch sei gerade das Jubiläum sehr motivierend, und es mache Spaß, was da an Aktivitäten läuft.

Klar war auch Corona ein Thema, nachdem die Pandemie im vergangenen Jahr dafür gesorgt hatte, dass der Sportbetrieb fünf Monate lang eingestellt werden musste. »Das ist für einen Sportverein keine leichte Situation«, betonte Holger Ehnes. Zwar gebe es derzeit keine Einschränkungen mehr wegen Corona, »aber niemand weiß, ob sie wiederkommen«. Erfreulich fand es der Vorsitzende in seiner Rückschau, dass im letzten Jahr unterm Strich 50 neue Mitglieder gewonnen wurden.

Weil das Amt des Kassiers im größten Nagolder Verein weiterhin vakant ist, übernahm der VfL-Vorsitzende ebenfalls den Kassenbericht. Auf der einen Seite hatte Corona im vergangenen Jahr für rückläufige Einnahmen gesorgt, weil zugleich aber durch den Stillstand im Sportbetrieb viel Geld gespart wurde, präsentierte der Vorsitzende einen stattlichen Überschuss. Vor diesem Hintergrund betonte Holger Enes: »Wir haben Corona finanziell sehr gut verkraftet, aber dieses Ergebnis wird sich 2022 nicht wiederholen«.

VfL Nagold startet eigene Fußballschule »Talentwerk«

Über den Start der Fußballschule informierte der zweite Vorsitzende Uli Hamannn die Versammlung. Im neuen »Talentwerk« werden unter der Regie von Mustafa Naim individuelle Fördereinheiten angeboten. Ziel sei es, so Uli Hamann, die Jugendfußballer sportlich und menschlich auszubilden – sowie letztlich auch das fußballerische Niveau zu heben und den »Nagolder Weg« weiter zu stärken.

Auf die Jubiläumsplanungen machte Gerd Hufschmidt aufmerksam. Wie der dritte Vorsitzende deutlich machte, wolle man das ganze Jahr über unterschiedliche Gruppen ansprechen; sei es mit dem Ehrenamtsfest oder einem Kindersportfest im Kleb und dem parallel stattfindenden Soccer-Turnier. Im September ist schließlich noch ein Festakt in der Stadthalle geplant. Nicht unerwähnt ließ Gerd Hufschmidt in seinen Ausführungen den Umstand, dass der Sport viel dazu beitragen könne, dass die Ukraine-Flüchtlinge in Nagold ankommen. Dazu brauche es aber auch »Brückenbauer«, die den Einstieg erleichtern.

Aus dem Bericht von VfL-Geschäftsführerin Ulrike Fürgut ging hervor, dass die Kinder aus der Kindersportschule zwischenzeitlich vollwertige VfL-Mitglieder sind, die gleichzeitig in anderen Sportarten mehrgleisig fahren können. Weil sich viele Menschen scheuen, in Vereine einzutreten, soll im VfL Nagold das Kurs-Modell gestärkt werden. Zum echten Renner haben sich dabei die Schwimm-Kurse entwickelt. »Da können wir uns vor Anmeldungen kaum retten«, so Ulrike Fürgut.

Von einem trotz seiner 175-jährigen Historie »quicklebendigen Verein« sprach Oberbürgermeister Jürgen Großmann in seinem Grußwort. Gleichzeitig freute er sich über die sportlichen Erfolge im Jubiläumsjahr, aber auch die Zusammenarbeit zwischen Verein und Stadt sei ausgesprochen angenehm. Ein Dauerthema seit Jahren ist der marode Zustand der Eisberghalle. Da sei man in den vergangenen Jahren oft durch die Förderung gefallen, doch sobald eine Förderzusage vorliege, sei eine Kernsanierung geplant. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass derzeit die Installation einer Flutlichtanlage für den Rasenplatz im Reinhold-Fleckenstein-Stadion geprüft werde.

Bei den turnusmäßigen Wahlen wurde anschließend Uli Hamann als zweiter Vorsitzender ebenso im Amt bestätigt, wie Walther Beck als Beisitzer und Schriftführer Heiko Hofmann. Für das Amt des Kassiers konnte noch kein Kandidat präsentiert werden, aber Holger Ehnes zeigte sich zuversichtlich, dass man diese Funktion im kommenden Jahr wiederbesetzen kann. Einstimmig ging der Antrag des Vorstandes durch, den Passus zum Sonderbeitrag für den Geschäftsführer bei gleichzeitiger Beibehaltung der aktuellen Beitragshöhe aus der Satzung zu streichen.

»So treue Mitglieder brauchen wir auch in Zukunft«, unterstrich Holger Ehnes bei den Ehrungen von zahlreichen langjährigen VfL-Mitgliedern, die er zugleich als Vorbilder bezeichnete. Verabschiedet wurde Achim Burrer, der das Amt des Kassiers sieben Jahre lang erfolgreich wahrgenommen und die VfL-Finanzen in ein ruhigeres Fahrwasser geführt hatte.

 

(Schwarzwälder Bote, 23. Juni 2022 / Fotos: Priestersbach/Hofmann)


Der Schwarzwälder Bote interviewt unseren Vorsitzenden zum 175-jährigen Bestehen des VfL Nagold

»Im Sport lebt man viele aktuelle Werte«

Der VfL Nagold feiert einen runden Geburtstag. Was vor 175 Jahren als kleiner Turnverein begann, ist heute der größte Verein in der Stadt. In unserem Interview verrät erster Vorsitzender Holger Ehnes unter anderem, dass der Verein selbst in der Corona-Zeit an Mitgliedern zulegen konnte, wie wichtig auch in Zukunft das Ehrenamt ist, und dass Hallen und Sportplätze nicht vom Himmel fallen.

 

Herr Ehnes, wie feiert man eigentlich ein Jubiläum in Zeiten einer Pandemie?

Dass unser Verein dieses Jahr 175 Jahre alt wird, das ist schon beeindruckend – unser Gründungsjahr ist 1847. Das muss man sich mal vorstellen! Wir wollen auf jeden Fall dieses tolle Jubiläum feiern, und zwar so, dass sich die Leute begegnen können – nicht nur virtuell. Da wir aber im Voraus nie wissen, welche Einschränkungen wann zu berücksichtigen sind, machen wir das in vielen kleineren Veranstaltungen und nicht in einer riesig großen. Wenn dann ja mal ein Ereignis nicht stattfinden kann, dann ist das nicht so schlimm, weil das ganze Jahr noch genug andere geplant sind. Das ist zum Beispiel den Fußballern passiert: Die mussten ihr Jubiläums-Turnier absagen und hoffen jetzt, es nachholen zu können. Unser Jubiläum kann man übrigens auch im Internet gut verfolgen. Auf der VfL-Webseite, über Facebook und so weiter zeigen wir Bilder und Infos aus der Vereinsgeschichte, und geben das ganze Jahr über auch Programm und Termine bekannt.

 

Warum hat der VfL die Feierlichkeiten nicht einfach verschoben? Genügend andere Verein sind ja so verfahren.

Darüber haben wir natürlich schon nachgedacht. Aber wer kann schon vorhersagen, ob es nächstes Jahr besser wird? Deswegen haben wir beschlossen, nicht zu verschieben, sondern lieber viele unterschiedliche Aktionen aus den Abteilungen und dem Gesamtverein anzubieten. 2022 werden zusätzlich unsere Leichtathleten 100 Jahre alt, und die möchten ihr Jubiläum natürlich auch feiern. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Leute nach so langer Zeit jetzt gerne wieder Veranstaltungen besuchen.

 

Dann runden wir das Corona-Thema noch kurz ab: Was sind denn die Tücken, mit denen ein Verein wie der VfL in dieser Corona-Zeit zu kämpfen hat?

Erfreulicherweise läuft unser Spiel- und Trainingsbetrieb im Moment praktisch komplett. Dabei gelten die aktuellen Einschränkungen, also zum Beispiel 2G für die Halle. Manchmal müssen wir mit Einzelnen diskutieren, aber insgesamt ist das inzwischen bekannt und weitgehend akzeptiert. Trotzdem bedeutet es eine Anstrengung für die Verantwortlichen und die Teilnehmer, die immer wieder neuen Vorschriften einzuhalten. Ich danke allen dafür, dass sie das für ihre Sportler und die Zuschauer tun.

 

Und wie sieht es mit der Mitgliederentwicklung aus? Sicher gingen die Zahlen doch mit den sportlichen Lockdowns im vergangenen Jahr runter, oder?

Interessanterweise ist das Gegenteil der Fall: Nach dem Ende des Lockdowns im vergangenen Jahr sind vor allem viele junge Leute zu uns gekommen, die die Nase voll hatten vom Rumsitzen. So haben wir 2021 insgesamt sogar Mitglieder gewonnen, obwohl während des Lockdowns schon ein Rückgang zu sehen war. Mit den KISS-Kids hat der VfL Nagold im Moment etwa 1700 Mitglieder.

 

Die Anfänge des Vereins liegen ja in einem reinen Turnverein. Geben Sie uns doch bitte ein kurzes Update, wo der Verein heute steht.

Es ist ja allseits bekannt, dass wir ein sehr breit aufgestellter Verein sind, der die meisten gängigen und auch einige besondere Einzel- und Mannschafts-Sportarten anbietet. Insgesamt sind das etwa 15 – unsere größte Abteilung ist Fußball, und unsere kleinste ist Kyudo. Turnen gibt es nach wie vor, aber im Gegensatz zu unseren Anfängen sind da heute nur Frauen und Mädchen aktiv. Daneben haben wir ein Breitensportangebot, zu dem unter anderem die Kindersportschule KISS, der Lauftreff, Frauengymnastik, oder der Biketrail auf dem Eisberg gehören. Und auch auf den Gesundheitssport, mit Koronar- und Reha-Sport, sind wir stolz.

 

Und wo sehen Sie den VfL Nagold in zehn Jahren? Was sind die Zukunftsthemen? Und ist Ihr Verein dafür gerüstet?

Als größter Nagolder Sportverein ist es unser Ziel, allen Nagoldern ein reelles Sportangebot zu machen. Was das bedeutet, entwickelt sich laufend weiter, genau wie die Gesellschaft als Ganzes. Aus meiner Sicht ist ein wichtiger Trend die sinkende Bereitschaft zur längerfristigen Bindung, was sowohl eine Mitgliedschaft als auch ein ehrenamtliches Engagement betrifft. Ein anderer Trend ist die Tatsache, dass Beruf, Schule und so weiter mehr und unterschiedliche Zeitfenster im Tag belegen. Für uns als Verein bedeutet das, Sport in neuen und flexibleren Formen anzubieten, und möglicherweise auch noch weitere Gruppen in der Nagolder Bevölkerung anzusprechen. Für eine solche Entwicklung braucht es Sportanlagen beziehungsweise Räumlichkeiten, qualifizierte Menschen, und finanzielle Mittel. Dank unserer Größe steht unser Verein ganz ordentlich da, aber verbessern können wir uns auf all diesen Gebieten. Dabei hoffen wir natürlich, dass wir als Verein noch mehr die Unterstützung von Nagolder Unternehmen gewinnen können – damit müssen wir uns in den nächsten Jahren stärker beschäftigen.

 

Thema Sportstätten: Allgemein heißt es, dass Sportstätten in Nagold ein gefragtes Gut sind. Wie beurteilen Sie die Situation? Ist da Wachstum, zum Beispiel auch mit neuen Angeboten überhaupt noch möglich? Wo hapert es am meisten?

Dass in Nagold die Sportstätten knapp sind, sieht jeder hiesige Sportverein so, und auch der Sportentwicklungsplan der Stadt bestätigt das. Nachdem Fußballplätze und Sporthallen aber nicht vom Himmel fallen, arbeiten alle Vereine mit der Stadt daran, die vorhandenen Flächen so effektiv wie möglich zu nutzen. Und auf die angekündigten neuen Kunstrasenplätze sowie die Freilufthalle neben dem Badepark freuen wir uns schon. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, zusätzliche kleinere Räume für Sportkurse zu erschließen. Am schwierigsten wird es aber sein, in Nagold ein ernstzunehmendes Hallen-Schwimmbecken zu bekommen. In den beiden existierenden Hallen ist kein Wettkampfsport möglich.

 

Ein Verein lebt natürlich vom Ehrenamt. Was wird denn bei Ihnen noch im Ehrenamt gestemmt? Und wo bedarf es der Professionalisierung? Wie hält man ehrenamtliche Helfer bei der Stange?

Da kann ich nur zustimmen! Ohne das Ehrenamt wären wir nicht 175 Jahre alt geworden. Vorstand, Abteilungsleitungen und auch die meisten Trainer sind beim VfL Nagold ehrenamtlich engagiert. Das möchten wir auch gerne weiter so halten. Leute, die Lust darauf haben, Kindern und Jugendlichen ihren Sport und das Gemeinschaftsgefühl eines Vereins zu vermitteln, sind bei uns richtig und jederzeit willkommen. Im Rahmen des Jubiläums planen wir ein Dankeschön-Fest für unsere Ehrenamtlichen, um ihren Einsatz anzuerkennen. Eine Professionalisierung sehen wir da, wo Kompetenz über größere Zeitfenster benötigt wird – zum Beispiel in der KISS, wo mehrere Trainingseinheiten pro Tag laufen, oder der Geschäftsstelle, die mit der Verwaltung eines so großen Vereins eine Menge zu tun hat. In Zukunft dürfte sich hier einiges weiterentwickeln.

 

Sie sind ja auch ein Ehrenamts-Paradebeispiel. Im Nagolder Partnerschaftskomitee sind Sie der Präsident, und nun seit vergangenem Sommer auch noch erster Vorsitzender von Nagolds größtem Verein. Was macht für Sie den Reiz des Ehrenamtes aus? Und was bringt einen eigentlich dazu, so einen gewichtigen Posten wie den VfL-Vorsitz zu übernehmen?

Na ja – so besonders bin ich sicher nicht. In beiden Ehrenämtern tue ich etwas, was mir Spaß macht, und was ich für wichtig halte. Der Reiz dabei ist, dass ich mich selber entscheiden kann, wofür ich mich einsetzen möchte. Das ist in anderen Lebensbereichen nicht so einfach. Beim VfL sehe ich die Chance, den Sport noch mehr zu einem verbindenden Element in unserer Stadt zu machen. Im Sport lebt man viele aktuelle Werte – Fairness, Lust auf Erfolg, Gemeinschaft, Gesundheit. Dass unser Verein jungen Menschen das vermittelt, finde ich eine tolle Sache. Dafür nehme ich auch Dinge in Kauf, die etwas weniger Spaß machen. Allein würde ich das aber trotzdem nicht schaffen. Nur zusammen mit der Erfahrung und Kompetenz der Kollegen im Vorstand lässt sich eine solche Aufgabe stemmen. Ihre Unterstützung war der entscheidende Faktor dafür, dass ich mich letztes Jahr zur Wahl gestellt habe.

 

Gibt es etwas, worauf Sie sich im Jubiläumsjahr besonders freuen?

Absolut! Wie schon gesagt sind das die Begegnungen zum Jubiläum, bei denen man mal abseits von Training, Wettkämpfen und Sitzungen zusammenkommt und über all die Dinge reden kann, zu denen man sonst nie Zeit hat. Außerdem ist es eine tolle Gelegenheit, den Menschen in unserer Stadt Lust auf unseren Verein zu machen. Damit wir 2047 das 200. Jubiläum feiern können…

Die Fragen stellte Heiko Hofmann

(Schwarzwälder Bote, 4.2.2022)


Holger Ehnes zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt

Durchaus spannend ging es auf unserer Hauptversammlung in der Stadthalle zu. Hier der Bericht aus dem Schwarzwälder Boten:

 

Einen Führungswechsel gab es beim VfL Nagold: Nachdem sich Rainer Wohlleber nicht mehr zur Wiederwahl als erster Vorsitzender stellte, steht künftig Holger Ehnes an der Spitze des größten Nagolder Vereins. Von einem harmonischen Verlauf der Wahlen kann man allerdings nicht wirklich sprechen.

Von Uwe Priestersbach

Für Irritationen und einen gewissen Unmut bei manchen Mitgliedern sorgte nämlich die überraschende Kandidatur von Michael Mensch mit Unterstützung aus den Reihen der Fußballabteilung als Kassier – die sich erst tags zuvor per Buschfunk abgezeichnet hatte. Im Ergebnis ist das Amt des Kassiers beim VfL Nagold nun vorerst unbesetzt.

 

Doch der Reihe nach: So gut war schon lange keine Hauptversammlung des VfL Nagold mehr besucht: Da reichten die 93 in der Stadthalle pandemiebedingt zugelassenen Sitzplätze nicht aus, und es wurden die Seitentüren geöffnet, damit 20 bis 30 weitere Mitglieder die Versammlung verfolgen – und später vor allem auch an den Wahlen teilnehmen konnten. Besonders die Abteilungen Fußball und Handball waren stark vertreten, nachdem sich der geplante Coup der Fußballabteilung bei den Wahlen abgezeichnet hatte.

Bereits zum Abschluss seines Kassenberichts hatte Achim Burrer mit Blick auf seine bisherige Arbeit deutlich gemacht: »Ich mache das Ding so, wie ich es für richtig halte.« Gleichzeitig kündigte er an, dass er seine Kandidatur als Kassier zurückziehen werde, wenn sich jemand anders zur Verfügung stellen sollte.

Und so kam es dann auch, als Michael Mensch seinen Hut in den Ring warf. Der 50-jährige Geschäftsführer einer Zeitarbeitsagentur und selbst gelernter Steuerberater gab seine Kandidatur als Kassier des VfL Nagold bekannt, worauf Achim Burrer klarmachte, dass er unter diesen Umständen nicht zur Wahl stehe.

Damit war natürlich eine brisante Situation mit drohender Führungskrise ausgelöst, denn Holger Ehnes stellte in seiner Vorstellung als Kandidat für den Vorsitz fest, dass man eigentlich im Vorfeld der Hauptversammlung ein personelles Tableau gefunden hatte – und die Kandidatur von Michael Mensch unvorbereitet kam. Weil der Kassier gerade in einem großen Verein wie dem VfL Nagold eine Schlüsselposition einnimmt und weil der Vorsitzende im Zweifel mit seinem Privatvermögen hafte, »ist hier das Vertrauensverhältnis wichtig«. Vor diesem Hintergrund kündigte Holger Ehnes an: »Ich werde den Vorsitz nur antreten, wenn Michael Mensch nicht Kassier wird.« Ins gleiche Horn stießen anschließend Gerd Hufschmidt als Kandidat für das Amt des dritten Vorsitzenden sowie Felix Hammann und Walther Beck, die als neue Beisitzer auf dem Wahlzettel standen.

Michael Mensch erklärte in seiner Vorstellung, dass er als Geschäftsführer für 1200 Leute verantwortlich sei – und in dieser Position um die Bedeutung persönlicher Haftung wisse. Vor dem Hintergrund der vorangegangenen Statements zog er seine Kandidatur indes zurück – obwohl zahlreiche potenzielle Unterstützer aus der Fußballabteilung anwesend waren.

Einen Vorschlag zur Güte präsentierte daraufhin Hans-Dieter Wagler von den Leichtathleten, »um die Gräben zu überbrücken«. So regte er an, Michael Mensch als Beisitzer zu wählen – was sich der Mitsponsor der VfL-Kicker durchaus vorstellen konnte. »Das ist ein sehr guter Vorschlag«, war auch Wahlleiter Hagen Breitling erleichtert. Achim Burrer stellte sich aber dennoch nicht zur Wiederwahl.

In den anschließenden offenen Wahlgängen mit 114 Wahlberechtigten wurde der 57-jährige Unternehmensberater Holger Ehnes bei 29 Enthaltungen auf den Schild gehoben. 23 Enthaltungen wurden bei der Wahl von Gerd Hufschmidt gezählt, während Felix Hammann, Volker Haizmann, Walther Beck und Michael Mensch zu Beisitzern gekürt wurden.

Nachdem der Posten des Kassiers an diesem Abend vakant blieb, »hat der Vorstand damit gleich eine erste Aufgabe, das Amt des Kassiers zu besetzen«, erklärte Bürgermeister Breitling. Holger Ehnes sprach von der großen Herausforderung, den Neuanfang nach Corona hinzukriegen. Im kommenden Jahr kann das 175-jährige Bestehen des VfL Nagold gefeiert werden – und darüber müsse man im Vorstand auch noch sprechen, so Ehnes.

 

Drei Aktivposten geehrt und verabschiedet

Bei der Hauptversammlung des VfL Nagold wurden verdiente Funktionäre verabschiedet und gleichzeitig für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement im größten Nagolder Verein ausgezeichnet.

Von 1998 an war Rainer Wohlbold in verschiedenen Funktionen im VfL-Vorstand aktiv, bevor er 2015 zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Bürgermeister Hagen Breitling dankte dem scheidenden Vorsitzenden für sein persönliches Engagement und die hervorragende Zusammenarbeit. Im Namen des VfL Nagold bescheinigte ihm Ulrich Hamann als zweiter Vorsitzender nicht nur den »allergrößten Respekt«, sondern zeichnete Rainer Wohlleber gleichzeitig mit dem Ehrenpreis des VfL Nagold in Bronze aus.

Ein absolutes VfL-Urgestein ist Werner Schühle, der seit 1952 Vereinsmitglied ist und seit 1991 als Beisitzer Funktionen im Vorstand übernommen hatte. Hagen Breitling bezeichnete ihn als »wichtige Schnittstelle in Sachen Hallenbelegung«. Rainer Wohlbold überreichte Werner Schühle anschließend den VfL-Ehrenpreis in Gold für 30-jährigen ehrenamtlichen Einsatz und betonte: »Es gibt nur wenige Leute, die so lange im Ehrenamt tätig sind.«

Ebenfalls verabschiedet wurde Ursula Wolf, die 1984 durch ihre Tochter zum Turnen kam – und im gleichen Jahr als Abteilungsleiterin der Turnabteilung gewählt wurde. In den Folgejahren gestaltete sie den Wiederaufbau der Turnerriege mit, bevor die gelernte Steuergehilfin 1989 zur VfL-Schatzmeisterin gewählt wurde. Seit 2012 unterstützte sie den Vorstand als Beisitzerin. Auch Ursula Wolf wurde jetzt mit dem Ehrenpreis in Bronze ausgezeichnet.

Ein Dauerthema bei Hauptversammlungen des VfL ist die Verpachtung der Stadion-Gaststätte – wobei jetzt wieder positive Nachrichten verkündet wurden. So gibt es neue Pächter, die künftig für südamerikanisches Flair in der Calwer Straße sorgen. Ab August werden dort nicht nur spanische Gaumenfreuden angeboten, sondern ebenso Tanzkurse und mehr.

(Schwarzwälder Bote, 23. Juli 2021 / Fotos: Priestersbach / Hofmann)


Bufdi beim VfL Nagold? Kevin Köhler berichtet

Was tun nach dem Abitur? Diese Frage stellen sich viele Schulabsolventen. Für Sportinteressierte stellt der Bundesfreiwilligendienst beim VfL Nagold eine Möglichkeit dar, wichtige Erfahrungen für den weiteren Lebensweg zu sammeln.

Von Alexander Reimer

Nagold. Seit September leistet der 19-jährige Kevin Köhler seinen Bundesfreiwilligendienst beim VfL. Der gebürtige Nagolder ist dort ein bekanntes Gesicht. Bereits seit seinem fünften Lebensjahr spielt er Fußball im Verein. Als er vergangenes Jahr sein Abitur am OHG machte, war bereits klar, dass er hier als »Bufdi«, so werden die Freiwilligen genannt, aushelfen will. »Ich wollte nach der Schule auf jeden Fall erst mal Erfahrung sammeln. Und da ich schon immer sportlich aktiv war, sollte es etwas im Sportbereich sein«, sagt er.

Der Bundesfreiwilligendienst beim VfL Nagold dauert zwölf Monate. Die »Bufdis« arbeiten 35 Stunden die Woche und bekommen monatlich 400 Euro. Bei Bedarf können sie während dieser Zeit in einer Wohnung im Youz leben. Kindergeld wird in dieser Zeit weiter gezahlt. 

Die Besonderheit am Nagolder Programm ist, dass die Freiwilligen in drei Bereichen mitarbeiten. Kevin Köhler arbeitet in der Fußballabteilung des Vereins, hilft bei der Kindersportschule KISS mit und ist auch bei der Ganztagsbetreuung an der Zellschule dabei. Bei letzterem wird auch Wert darauf gelegt, die Kinder zur Bewegung zu motivieren.

»Kevin ist der erste der diesen ›Kombijob‹ hat«, sagt Gerd Hufschmidt, YOUZ-Leiter und  einer der    Vorsitzenden beim VfL. Gerade in Corona-Zeiten hat sich die Flexibilität dieses Programms bewährt. Zu Beginn seines Dienstes konnte Köhler nachmittags noch bei den KISS-Kursen oder beim Fußballtraining der F- und E-Jugend mithelfen. Seitdem die Nachwuchsarbeit und die Kindersportschule pausieren müssen, bleibt er länger bei der Notbetreuung in der Zellerschule. »Die Arbeitszeit in den verschiedenen Bereichen lässt sich flexibel verteilen. Das ist während dem Lockdown hilfreich, macht es aber auch möglich, dass man auf die Wünsche der  Bufdis  eingehen kann«, erklärt Hufschmidt. Der grundlegende Charakter des Programms bleibt aber immer gleich: »Der Fokus liegt auf Sport und Bewegung.«

Die Arbeit gefällt Köhler auch gerade weil sie so vielseitig ist. Zudem hat er die Möglichkeit in den zwölf Monaten eine Trainerlizenz zu erwerben, auch wenn dieses Vorhaben durch den Lockdown eingebremst wurde. Generell biete der Bundesfreiwilligendienst ihm die Gelegenheit wichtige Erfahrungen für seinen weiteren Lebensweg zu sammeln. Die Interaktion mit den Kindern, aber auch den Lehrern, fördere die zwischenmenschliche Entwicklung, meint er.

Auch Hufschmidt ist der Ansicht, dass junge Erwachsene Erfahrungen sammeln, die von unschätzbarem Wert sind. Die Arbeit im Team, der Kontakt mit verschiedensten Altersgruppen, allen voran aber die Verantwortung, die vielen zum ersten Mal in ihrem Leben aufgetragen wird. »Man betreut Kinder, übernimmt Verantwortung für sie. Man ist für die Kinder der große Bruder oder die große Schwester und sie schauen zu einem auf«, sagt Hufschmidt.

Doch nicht nur junge Erwachsene profitieren vom Bundesfreiwilligendienst. Der Verein gewinnt Klasse Mitarbeiter dazu«, sagt Hufschmidt. Die größten Gewinner seien allerdings die Kinder. »Die  Bufdis ermöglichen es uns viele Sportangebote für die Kids auf die Beine zu stellen.« Für Kevin Köhler, der noch bis August seinen Dienst beim VfL Nagold leistet, ist     der Verein derzeit     noch  auf der   Suche    nach   einem Nachfolger. Interessenten können sich direkt an Gerd Hufschmidt wenden. Köhler bewirbt sich derweil bereits um einen Studienplatz, damit er nach seinem Bundesfreiwilligendienst direkt ins Studium einsteigen kann. Er möchte Grundschullehrer werden. Daher sei die Arbeit mit den Kindern eine gute Vorbereitung für ihn.

(Schwarzwälder Bote, 5.2.2021)

Interesse geweckt? Unser Ansprechpartner in Sachen Bundesfreiwilligendienst oder auch Freiwilliges Soziales Jahr ist Gerd Hufschmidt. Schreib ihm doch am besten gleich eine Mail


Das Stadion ist sein zweites zu Hause

Mit Hans Bachmann wurde jetzt ein Urgestein des VfL Nagold zum Ehrenmitglied des größten Nagolder Vereins ernannt. Wie der VfL-Vorsitzende Rainer Wohlleber feststellte, ist Hans Bachmann nicht nur seit fast 50 Jahren treues Mitglied im VfL Nagold, er hatte sich auch 20 Jahre überaus aktiv im Vorstand engagiert.

Von Uwe Priestersbach

Bereits Ende vergangenen Jahres war Hans Bachmann aus dem Vorstand ausgeschieden. Bei der Hauptversammlung in diesem Sommer sollte die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft eigentlich vorgenommen werden, doch machte Corona den Planungen einen Strich durch die Rechnung.

Weil der Vorstand aber Danke sagen wollte für die langjährige Arbeit des heute 75-Jährigen, hatte man sich nun dafür entschieden, die Auszeichnung bei der Hauptausschuss-Sitzung im Sportheim vorzunehmen.

Bei dieser Gelegenheit erinnerte Rainer Wohlleber an den unermüdlichen Einsatz von Hans Bachmann rund um das Nagolder Stadion. »Er hat immer an vorderster Front selbst mit angepackt«, unterstrich der VfL-Vorsitzende – und ein »großes Glück« sei es zudem gewesen, dass er nur einen Steinwurf weit vom Stadion entfernt wohnt. Klar gab es da neben der Ernennungsurkunde zum neuen Ehrenmitglied auch einen prall gefüllten Geschenkkorb.

In Namen der VfL-Fußballer machte deren Abteilungssprecher Ulrich Hamann deutlich, dass sich Hans Bachmann »immer mit dem Stadion identifiziert hat« – und deshalb sei das Stadion auch stets in Ordnung gewesen. Wenn irgendwo noch Licht brannte, eilte er herbei, aber auch, wenn die Fußballer mal vergessen hatten, ihre Umkleidekabine abzuschließen, war Bachmann zur Stelle.

»Das Stadion war mein zweites zu Hause«

Gleichzeitig bezeichnete ihn Ulrich Hamann als »Institution im Kassenhäuschen«, wo er bei Heimspielen der VfL-Kicker etliche Jahre lang den Eintritt kassierte. Kein Wunder, dass sich die Fußballer ebenfalls nicht lumpen ließen, denn aus den aktiven Mannschaften und Jugendteams wurde er reich beschenkt – darunter auch mit einigen signierten Trikots.

»Mir hat es immer Spaß gemacht und das Stadion war mein zweites zu Hause«, erklärte der Geehrte anschließend. Als gelernter Zimmermeister war er natürlich bei allen Baumaßnahmen rund um den Stadionumbau ein gefragter Fachmann. Doch mit 75 Jahren wollte er jetzt einfach kürzer treten. Als Zuschauer sieht man Hans Bachmann trotzdem immer noch regelmäßig bei den Heimspielen des VfL Nagold – wenn er nicht gerade bei den Spielen seiner Enkel zuschaut.

(Schwarzwälder Bote, 2.10.2020)


Kiss-Bericht aus dem Schwarzwälder Boten vom 10. Mai 2019