Aufstieg und Meisterschaft: So sehen Sieger aus

Eitel Sonnenschein bei Nagolds Fußballern: Bei bestem Frühsommerwetter feierten die Kicker des VfL Nagold am Samstag ihre Meisterschaft.

Von Heiko Hofmann

Selten sieht man eine Mannschaft nach einem Unentschieden so ausgelassen Feiern. Doch beim jüngsten Spiel des VfL Nagold gegen die SF Gechingen stand das Ergebnis eben ausnahmsweise mal nicht im Vordergrund. Denn bereits vor dem letzten Heimspiel stand fest: Danach ist Party angesagt. Und so verschmerzten die Nagolder auch das 0:0. Stattdessen feierten sie ausgelassen ihre Meisterschaft. Mit Teamgesängen, Sektduschen und in dunkelblauen Meistershirts gekleidet, beherrschte das Aufstiegsteam die Szenerie im Reinhold-Fleckenstein-Stadion. Und von den vielen Fans – rund 350 waren es – wurde die Mannschaft munter beklatscht.

Stichwort Fans: Ein paar Besucher mehr hätten es zu diesem Anlass durchaus sein dürfen. Doch angesichts des zeitgleich angesetzten Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich war die Zuspruch auch nicht schlecht. Vor allem aber hatten die Besucher im Reinhold-Fleckenstein-Stadion garantiert mehr Spaß.

Unter den Gästen war natürlich auch Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann. Beim Sektempfang an der VfL-Bewirtungshütte im Stadion freute er sich über den Erfolg des »Nagolder Wegs« – und natürlich, wie auch alle anderen Redner des Abends – dass der VfL Nagold in der nächsten Saison wieder in der Verbandsliga spielen wird. Als kleines Schmankerl lud der OB denn auch die Nagolder Kicker zu sich in die heiligen Rathaushallen ein. Dort gibt es dann ein zünftiges Weißwurstfrühstück. Das erlebt man als VfL-Fußballer auch nicht alle Tage, genauso wie einen so souverän herausgespielten Meistertitel. Die Party geht also weiter.

(Schwarzwälder Bote 4. Juni 2018 / Fotos: Thomas Fritsch)


Nagold macht vorzeitig die Meisterschaft klar

Perfekt war die Landesliga-Meisterschaft des VfL Nagold schon vor dem Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten SV Zimmern, doch nach dem 2:1-Sieg der Nagolder ist sie jetzt so richtig perfekt – also auch rechnerisch.

Von Albert M. Kraushaar

"Die Jungs, die heute nicht da sind, ärgern sich natürlich. Aber alle sind dicht am Geschehen dran. Von Pascal Reinhardt sind schon Glückwünsche aus Kiew gekommen", stellte VfL-Trainer Armin Redzepagic im allgemeinen Siegestaumel fest. In Zeiten von Handy und Internet ist das ja kein Problem mehr, denn der VfL-Torjäger weilte beim Champions- League-Finale in der Ukraine.

Fußballerisch einigen Stufen weiter unten hatte derweil der VfL Nagold mit einem "Miniaufgebot" den keinesfalls enttäuschenden Tabellenzweiten 2:1 geschlagen. Der Sieg verdient angesichts der Personalsituation allen Respekt. Bubacarr Sanyang als Mittelstürmer auflaufen zu lassen war nicht die große Überraschung, zumal der VfL- Keeper diese Position schon zu Zeiten von Thomas Schwarz gespielt hat.

Matthias Müller ins Tor zu stellen war ebenfalls die richtige Entscheidung. Gegen seine ehemaligen Kameraden war Müller hoch motiviert, und verhinderte mit einer tollen Reaktion den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Nicht unbedingt war mit Kujtim Berisha zu rechnen. Das Leichtgewicht ebnete jedoch mit dem Führungstreffer den Weg zum offiziellen Titelgewinn. Ebenso eine Überraschung das Comeback von Daniel Schachtschneider. "Die Verletzungspause war ihm im Ablauf seiner Bewegungen noch anzumerken", sagte Armin Redzepagic.

Dabei hatte er noch die Szene in der 78. Minute im Kopf, als Schachtschneider den Ball frei in die Wolken drosch. Minuten zuvor hätte sich der jungen Philipp Schäuble in die VfL-Geschichtsbücher einschreiben können, gleich zweimal hatte der Stammheimer die Entscheidung auf dem Fuß. In einer packenden Schlussphase mit Chancen auf beiden Seiten wäre dies die Krönung gewesen.

Gleich nach dem Abpfiff kam der Karton mit den neuen "Landesliga-Meister-Trikots" auf dem Rasen an. Der Trainer bekam die obligatorische Dusche und lernte anschließen im Kreis seiner Spieler "fliegen".

Beim dritten Versuch ging es schon mal richtig hoch hinaus, ganz so wie es die Trainerlaufbahn von Armin Redzepagic der vergangenen Jahre vorgibt. Vom FC Altburg über Stammheim zum VfL Nagold – von der Kreisliga in die Bezirksliga und von dort in die Landesliga und in die Verbandsliga.

"Wo bleiben denn die Nagolder?", fragte sich nicht nur Peter von Gültlingen, ehemaliger Spielleiter der Nagolder Fußballer. "So ein Spiel hätte doch 500 Zuschauer verdient." (Schwarzwälder Bote, 29. Mai 2018)


Raphael Schaschko verlängert bis 2019

Nach wochenlanger Ungewissheit ist die Katze aus dem Sack: Unser Routinier und Abwehrchef Raphael Schaschko gab wenige Stunden nach dem 5:1-Heimsieg gegen den VfB Bösingen bekannt, dass er noch eine weitere Saison ein "Blauer" bleibt!

"Ich freue mich auf ein weiteres Jahr beim VfL Nagold! Ich hatte mehrere Angebote sowohl als Spieler als auch als Trainer, daher habe ich mir bewusst die Zeit für Gespräche genommen. Letztendlich habe ich mich aber für den VfL entschieden, weil sich der Verein auch sehr um mich bemüht hat und mir die nötige Zeit für meine Entscheidung gegeben hat. Der VfL Nagold ist auf einem guten Weg, den ich in der nächsten Saison begleiten und hoffentlich auch voranbringen kann", sagte der 32-jährige nach seiner Vertragsunterschrift.

Und auch Abteilungsleiter Ulrich Hamann zeigte sich erfreut, dass der Ex-Profi seine Zusage gegeben hat: "Wir sind sehr froh, dass Rapha noch eine Saison bei uns bleibt! Er ist für uns fussballerisch sehr, sehr wichtig; zudem organisiert er die Defensive und ist der Taktgeber für unser Offensivspiel. Gerade für unsere jungen Spieler, die nächstes Jahr aus der U19 zu den Aktiven wechseln ist er mit seiner Erfahrung sowohl auf als auch neben dem Platz eine wichtige Stütze! Durch seine Unterstützung können die jüngeren Spieler den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen!"


Nagolder Ostercamp mit Profibesuch

In Nagold war viel los auf dem Sportplatz. Doch nicht nur wegen des örtlichen Fußballcamps des VfL Nagold, sondern vor allem, weil hoher Besuch des VfB Stuttgart da war. Stürmer Daniel Ginczek gab eine Stunde lang den begeisterten Kindern Autogramme.

Von Sebastian Buck

Bei typischem Fritz-Walter-Wetter, also grauem Himmel samt ungemütlichem Dauerregen, gesellte sich der Stürmer des VfB Stuttgart, Daniel Ginczek, ins Nagolder Reinhold-Fleckenstein-Stadion. Im Rahmen des Fußballcamps, das der VfL Nagold gemeinsam mit Michael Grimm von Sport-1a in den Osterferien veranstaltet, war der Stürmer aus Bad Cannstatt zu Gast beim Landesligaprimus. Kinder wie Erwachsene standen natürlich Schlange, um sich die Unterschrift des 26-Jährigen zu sichern. Auch VfL-Fußballabteilungsleiter Ulrich Hamann freute sich über den sportlich hohen Besuch: »Es gibt bei so einem Camp ja nichts besseres, als so einen Profi hier zu haben. Das motiviert die Jugendlichen zusätzlich.«

Rund 70 Kinder nahmen am Nagolder Fußballcamp teil, doch allzulange mit dem Bundesligaspieler unterhalten war nicht drin – Stichwort Trainingsdisziplin. Kaum hatten sich die Jugendlichen ihr Trikot, den Spielball, die Schuhe oder eine Autogrammkarte signieren lassen, ging es zurück an den Ball. »Wir haben das den Jungs freigestellt, aber die holen sich hier ihr Bild ab und dann geht es zurück auf den Platz«, berichtet Pascal Reinhardt, der einer der Leiter des Camps ist, durchaus angetan über den Trainingswillen seiner Schützlinge.

Von 9 bis circa 16.30 Uhr wurde im Nagolder Stadion vier Tage lang trainiert. Dabei liege der Fokus auf der individuellen Klasse der Einzelspieler, wie der ehemalige Drittligakicker Reinhardt erklärt: »Wir arbeiten an der Technik und zeigen den Spielern auch ein paar Finten.« Doch nicht nur der Trainingsplatz lockte die Jungspunde an, auch eine Anlage zur Messung der Schussgeschwindigkeit war aufgebaut worden. Außerdem konnten die Kinder zahlreiche Fußballschuhe testen, die der mobile Schuhschrank des Sportartikelherstellers Puma dabei hatte.

Doch zurück zum Star des Vormittags, der während der Autogrammstunde von Mitorganisator Grimm, der den Moderator gab, noch ausgiebig befragt wurde. Da war dann auch wieder die Sonne hinter den Wolken hervorgekrochen, als Ginczek den Jugendfußballern Tipps gab: »Ich war früher selber oft bei Fußballcamps und habe dort auch Freunde gefunden und Spaß gehabt, gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Ihr müsst einfach hart trainieren und dranbleiben. Aber auch die Schule sollte man nicht vernachlässigen, weil um Fußballprofi zu werden braucht es auch Glück, um von den großen Teams entdeckt zu werden.«

Nach einer guten Stunde, unzähligen Autogrammen und Selfies, zog der VfB-Stürmer weiter – der nächste Termin wartete. (Fotos: Fritsch / Schwarzwälder Bote, 7. April 2018)


Fünf neue Schiedsrichter

Auf fünf neue Schiedsrichter kann nun der Vfl Nagold und die Schiedsrichtergruppe Calw zählen. Am 4. März und 9. März 2018 legten alle fünf erfolgreich ihre Prüfung zum Schiedsrichter bei WFV-Lehrwart Ralf Lalka ab.

Wolfgang Bastians sah es als selbstverständlich an, in seiner Funktion als Schiedsrichterbeauftragter des VfL Nagold die Prüfung mit abzulegen. „Erstens macht mir es Spaß zu pfeifen, und zweitens will ich aktiv was zum Schutz und Wertschätzung des Schiedsrichterwesens beitragen.“ So sind jetzt Silas Wolf, Benedikt Link und Laurentz Hafner als ehemalige Jugendspieler des VfL Nagold voller Motivation dabei, eine Karriere als Schiedsrichter zu starten.

Der Fünfte im Bunde ist sogar ein aktiver Spieler in der Bezirksligamannschaft des VfL, der zwar seinen Schein schon für Zukunftspläne gemacht hat, aber trotzdem so lange wie möglich für Nagold pfeifen möchte. Die Abteilungsleiter Fußball Udo Jungebloed und Ulrich Hamann hatten von Beginn an eine Schiedsrichtergruppe beim VfL Nagold in ihrem Konzept verankert und freuen sich umso mehr mit Wolfgang Bastians einen Ehrenamtlichen aus den eigenen Reihen für diese verantwortungsvolle Aufgabe gefunden zu haben.

Der VfL Nagold wünscht allen fünf Schiris gute Erfahrungen auf den Fußballplätzen und bittet alle Fußballfans, vor allem Trainer und Eltern, fair gegenüber dem Schiedsrichter zu bleiben.